Aktuell

Drohender Ärztemangel


Die Stadt Schopfheim sowie die Gemeinden Maulburg, Hausen und Kleines Wiesental luden am Mittwoch zu einer Bürgerinformationsveranstaltung in die Schopfheimer Stadthalle, bei der Vertreter des Unternehmens IWG Ideenwelt Gesundheitsmarkt GmbH, die Ergebnisse einer Versorgungsanalyse zum Thema Ärzteversorgung vorstellten.

Vorstellung der Versorgungsanalyse am 13. März 2019 in der Schopfheimer Stadthalle

Im Landkreis Lörrach beschäftigen sich die politisch Verantwortlichen bereits seit mehreren Jahren aktiv mit der ärztlichen Versorgung. So ist die Gesundheitskonferenz des Landkreises zu dem Schluss gekommen, dass der Landkreis insgesamt zwar grundsätzlich gut versorgt sei, dies jedoch nicht gleichermaßen für das Mittlere Wiesental zutrifft. Auf dieser Grundlage haben die Stadt Schopfheim und die Gemeinden Maulburg, Kleines Wiesental und Hausen im Wiesental sich entschieden, das Gießener Unternehmen IWG Ideenwelt Gesundheitsmarkt GmbH mit einer Versorgungsanalyse zur aktuellen haus-, fach- und zahnärztlichen Versorgungssituation zu beauftragen. Hierfür fanden Gespräche zwischen den Beratern und den ortsansässigen Gesundheitsberuflern statt, um deren individuelle Ausgangssituation und Interessen fortlaufend berücksichtigen zu können.

Vorstellung der Versorgungsanalyse am 13. März 2019 in der Schopfheimer Stadthalle

Nazim Diehl, Leiter der Abteilung Versorgungsforschung bei der IWG, erläutert die bundesweite Kernproblematik: „Die Herausforderung besteht primär darin, junge Ärzte und Ärztinnen für ländlich geprägte Regionen zu gewinnen. Schließlich ist in der gesamten Republik der Trend zu beobachten, dass in ländlichen Gebieten Arztpraxen schließen müssen, weil kein Praxisnachfolger gefunden werden konnte.“ Zurückzuführen sei dies auf den Nachwuchsmangel, da es schon allein aus demographischen Gründen weniger Praxissuchende als Praxisabgeber gebe. Doch es gibt weitere Faktoren: Vor dem Hintergrund, dass fast drei Viertel der Medizinstudenten weiblich sind, steht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf heutzutage oft im Vordergrund – und diese lässt sich im Angestelltenverhältnis meist besser verwirklichen. Man könne also nicht von einem Ärztemangel sprechen, denn die Zahl der Ärzte steigt seit Jahren an. „Wir haben nicht zu wenige Ärzte, sondern zu wenige Arztstunden“, bringt es Diehl auf den Punkt. Ärztliche Arbeitszeit werde zunehmend knapper, während der Bedarf an ärztlicher Behandlungszeit angesichts einer alternden Bevölkerung und aufwändigerer diagnostischer sowie therapeutischer Verfahren zunehme. „Daher bedarf es mehr denn je moderner sowie überzeugender Versorgungskonzepte, um junge Ärzte und Ärztinnen von einer dauerhaften Tätigkeit im Mittleren Wiesental zu überzeugen“, stellt Diehl fest.

Im gesamten Mittleren Wiesental herrscht aktuell eine angespannte haus- und fachärztliche Versorgungssituation vor, sodass das Niveau der derzeitigen Patientenversorgung nur durch das hohe Arbeitspensum der ortsansässigen Mediziner erhalten bleibt. Diese Situation kann sich schnell zuspitzen, da mehrere Haus- und Facharztpraxen händeringend nach Praxisnachfolgern suchen. Daher soll nun die aktive Arztsuche für die vier Kommunen sowie eine konkrete Gesprächsführung begonnen werden, um den Ausbau überörtlicher kooperativer Strukturen sowie eine Netzwerkbildung der ortsansässigen Ärzte geordnet und zielsicher voranzutreiben. Das Ziel dieser Vorgehensweise beinhaltet den Aufbau von Versorgungsachsen im Mittleren Wiesental, sodass dadurch (überörtliche) Synergien und ganzheitliche Versorgungskonzepte aufgebaut und genutzt werden können.

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